Die Außenansicht unseres Gebäudes, wie es sich zur Straße hin zeigt, dürfte, bis auf den Pflanzenwuchs, auch so schon bei der Einweihung am 1. Januar 1917 ausgesehen haben. Die Einweihung hat sich, „dem Ernst der Zeit entsprechend … in der einfachsten Form“ zugetragen, wie es in einem entsprechenden Bericht  in der „Rheinberger Zeitung“ vom 2. Januar 1917 heisst. Diesem Bericht liegt eine Festschrift des Königlichen Baurats Reimer zugrunde. Sie werden noch manchen Zitaten aus diesem Zeitungsbericht begegnen.

Im Innern des Gebäudes ist von der ursprünglichen Substanz bis auf die tragenden Mauern und die große Treppe fast nichts mehr vorhanden. 

Nach der Vereinigung der Amtsgerichte Rheinberg und Xanten im Jahr 1979 stieg der Raumbedarf beträchtlich, und die Aufteilung des Amtsgerichts in die Hauptstelle Rheinberg und die Zweigstelle Xanten genügte den Anforderungen eines modernen Justizbetriebs nicht mehr. So begann man nach einer fast 10-jährigen Planungsphase mit der Errichtung eines Neubaus und dem Umbau des alten Gebäudes, die sich jetzt harmonisch miteinander verbinden.

Relief Eingang Quelle: Justiz NRW
 

 

 

An die Einweihung des „neuen“ Gerichts erinnert unter anderem eine Tafel im Eingangsbereich, die von der Anwaltschaft aus diesem Anlass gestiftet wurde. 

 

Stiftungen aus der Zeit des Altbaus sind auch noch vorhanden, so drei damals von der Zeche Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort, der Bürgermeisterei Camp und den Rheinischen Stahlwerken in Duisburg gestiftete Bilder, die jetzt allerdings nicht mehr die Richterzimmer, sondern die Sitzungssäle schmücken.

 

„Lenkt man seine Schritte hinauf zum ersten Obergeschoß, so hat man unmittelbar vor sich die Haupttür des Schöffensaales.“ So ist es noch heute, jedoch mit dem Unterschied, dass der Saal nicht mehr dem ursprünglichen Zweck dient; Rheinberg hat kein eigenes Schöffengericht mehr. 

Geblieben sind die Holzvertäfelung und „der große Kronleuchter in der Mitte des Saales“, der „aus Eisen hergestellt“ ist. Man fand ihn anlässlich des Um- und Neubaus auf dem Dachboden und fasste den Entschluss, ihm wieder seinen angestammten Platz einzuräumen.

Alter Schöffensaal Quelle: Justiz NRW
 

 

 

 

Wohin das „vom Kommerzienrat Underberg gestiftete Kaiserbild“ gekommen ist, „das seinen Platz über der zum Beratungszimmer führenden Tür“ hatte und „sich der Tür in einheitlicher Weise“ anpasste, lässt sich nicht mehr klären.

Fensterbild mit Spruch Quelle: Justiz NRW
 

Auf dem Weg zum Schöffensaal, wie er heute noch heißt, muss jeder Besucher zwei bleiverglaste Fenster passieren. Die wenigsten werden den Spruch bemerken, der sie ziert:

 „Wer die Wahrheit wollte vergraben, müsste viele Schaufeln haben.“ 

Nun ja – manchmal wird man den Eindruck nicht los, der Vorrat an Schaufeln sei nahezu unbegrenzt.

Neuer Schöffensaal Quelle: Justiz NRW
 

 

 

 

Sollte Rheinberg je wieder Sitz eines Schöffengerichts werden, ist vorgesorgt. Beim Umbau haben die Planer an alles gedacht und einen Raum geschaffen, der sich für Sitzungen eines Kollegialgerichts eignet, den „neuen“ Schöffensaal eben. Hier wie damals gibt es direkten Zugang „zu einer Zelle, welche bei Gerichtssitzungen dem Angeklagten zu vorübergehendem Aufenthalt dient.“

 Heute wird der Schöffensaal nur wenig benutzt.

Testamententruhe

 

 

 

Wendet man sich vom „alten“ Schöffensaal zum Neubau, stößt man an der Nahtstelle der beiden Baukörper auf zwei weitere Schmuckstücke aus der Vergangenheit des Amtsgerichtsbezirks, eine Truhe, in der früher Testamente sicher verwahrt wurden...

Siegelpresse Quelle: Justiz NRW
 

 

 

...und eine schwere Siegelpresse.

 

Es wird Sie kaum wundern, wenn wir Ihnen aus unserem Neubau keine Bilder mehr zeigen können. 

Es handelt sich, wie sollte es auch anders sein, um einen reinen Zweckbau, der sich wenig von anderen seiner Art unterscheidet. 

Hier gilt, wie schon 1916: „Wenn auch bei der Errichtung des Gebäudes die Sparsamkeit nirgends außer acht gelassen worden ist, so haben darunter doch die Anforderungen der Zweckmäßigkeit und Gediegenheit nicht gelitten.“ Letzteres kann mit Fug und Recht bezweifelt werden, denn nach wie vor ist „die Ausbildung der einzelnen Räume außerordentlich schlicht“

In einem unterscheiden sich die Zeiten aber doch: Für 193 700 Mark (einschließlich des jetzt als Aktenarchivs dienenden Gefängnisses!) zuzüglich der Inneneinrichtung für 20 500 Mark war der Neubau nicht zu haben.

Wir hoffen, dass Ihnen der kleine Rundgang durch unser Haus gefallen hat. 

Sollten Sie je in die - möglicherweise unangenehme - Lage kommen, uns zu besuchen, denken Sie immer an den Spruch im Fenster. 

Wir versuchen nach Kräften, das Vergraben der Wahrheit zu verhindern.

Wenn das nicht immer gelingt, liegt es vielleicht daran, dass doch jemand sehr viele Schaufeln gehabt hat.